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Ist ein billigeres iPhone der richtige Weg?

Allgemein, Apple, iPhone
Ist ein billigeres iPhone der richtige Weg?

Noch nicht einmal offiziell bestätigt und schon das Gesprächsthema Nummer 1: Das budget, plastic, low-cost iPhone 5C oder wie auch immer es heißen wird. Falls es überhaupt kommt 😉

In diesem Artikel möchte ich kurz den Hintergrund für ein solches Produkt, beziehungsweise den möglichen Nutzen für Apple, sowie die Ausgangslage für ein „billig“ iPhone beleuchten. Natürlich handelt es sich dabei ausschließlich um meine persönliche Meinung und um nichts Offizielles.

Beginnen möchte ich mit der Ausgangslage von Apple:

Wie mittlerweile jeder weiß, hatte Apple schon bessere Zeiten. Der Aktienpreis sinkt, die neuen Produkte lassen auf sich warten und die Konkurrenz übernimmt immer mehr den Markt. Apple sei tot würden viele Analysten prophezeien, hielte sich da nicht hartnäckig ein Gerücht, welches jedem Wall Street Broker ein Lächeln auf’s Gesicht zauberte: das „billig“ iPhone! Denn das, was Börsianer wahrscheinlich genauso lieben wie innovative Produkte, sind schwarze Zahlen und wenn wir uns das ganze Thema mal genauer anschauen, werden wir sehen, dass die Verkaufszahlen dieses iPhones sehr, sehr schwarz wären.

Zwei Weltanschauungen prallen aufeinander!

Für die westliche Kultur erscheint es abscheulich und unnötig, ein absolutes Statussymbol, wie das iPhone, günstiger zu machen. Der Sinn besteht ja darin, eines zu besitzen und damit „besser“, „cooler“ und „hipper“ zu sein als die Anderen. Würde man nun ein iPhone aus Plastik auf den Markt bringen, welches vielleicht um die 200 € kostete, könnte sich dieses jeder leisten und es würde unter Umständen seinen Reiz verlieren.

Doch sehen wir die ganze Sache mal aus der Sicht von Apple:

Auf der Welt leben (Stand Mitte August 2013) etwas mehr als 7,1 Milliarden Menschen. Von diesen 7,1 Milliarden leben ungefähr 1,1 Milliarden in den „westlichen Ländern“ (USA 313 Millionen, Kanada 34 Mio. und Europa 739 Mio., Australien 22 Mio.) Natürlich gibt es außer diesen auch noch andere industrialisierte Länder mit einem gewissen Wohlstand aber das würde die Rechnung zu extrem machen. Gehen wir davon aus, dass jeder dieser 1,1 Milliarden Zugang zu einem iPhone hätte. Damit wäre Apples Markt für iPhones 1,1 Milliarden Menschen groß. In der Realität sieht die ganze Sache natürlich aber ganz anderes aus. Babies, älter Menschen (>70) usw. fallen sicherlich nicht in Apples Zielgruppe und damit würde die Zahl auf etwa 800 Millionen sinken.

Und jetzt kommt der Grund für eine „billigeres“ iPhone. Die bevölkerunstechnisch „großen“ Staaten also China, Indien, Indonesien, Brasilien usw. werden von der aktuellen Produktpalette überhaupt nicht angesprochen. Denn in einem Land, in dem der monatliche Mindeslohn bei 53 € (im Vergleich Österreich: 1.000 €) liegt, ist es unmöglich, eine Familie zu ernähren und dabei noch 800 € für ein iPhone hinzulegen. Jetzt werden vielleicht einige einwenden, dass die Leute in solchen Ländern gar kein iPhone wollen, doch da irren sie. Oder hättet ihr euch 2010 ein iPad gewünscht, als ihr noch gar nicht wusstet, dass es so etwas überhaupt gibt? Erst als Apple uns die Möglichkeit gegeben und gezeigt hat, was man alles damit machen kann, wollte es jeder haben. Daher wird Apple sicherlich einen Weg finden, die Menschen in China, Indien oder Brasilien, welche über ein Einkommen verfügen, davon zu überzeugen, dass auch sie ein iPhone haben wollen oder besser gesagt haben müssen!

Wenn wir uns jetzt die Bevölkerungszahlen der oben genannten Länder anschauen, kommen wir insgesamt auf knapp 3 Milliarden Menschen. Ich denke es ist klar, warum Apple versuchen sollte, da etwas zu machen um diesen stark wachsenden Markt zu erobern.

Warum nicht einfach das iPhone billiger machen?

Diese Frage ist eigentlich ganz leicht zu beantworten. Apple kann nicht ein bestehendes Produkt in 2 Ländern zu komplett unterschiedlichen Preisen verkaufen (Europa 800 €, China 200 € oder 300 €) daher muss man ein neues Produkt schaffen, welches auf der einen Seite den Besitzern des „echten“ iPhones das Gefühl vermittelt, immer noch ein besseres Produkt in Händen zu halten, auf der anderen Seite aber auch den Besitzern des „billig“ iPhones zeigt, dass auch sie ein original Apple Produkt benützen. Das iPhone muss auf der einen Seite anders sein als das „echte“ iPhone, darf aber auch nicht ganz anders sein. Es muss „billiger“ sein, darf aber nicht billig wirken. Ich denke, jeder kann sich vorstellen, wie schwer diese Aufgabe ist.

Daher arbeitet Apple wahrscheinlich an einem Gerät, welches mit einer Plastik-Rückseite kommt, damit eben alle zufrieden sind. Genug Apple-Feeling um es zu kaufen, aber eben auch nicht genug um Europäer und Amerikaner „eifersüchtig“ zu machen.

Wie bringt man so ein Device auf den Markt:

Dafür hat sich Apple sicherlich auch einige Dinge einfallen lassen und das war auch sicherlich der Grund für das Treffen zwischen Apples CEO Tim Cook und den Vertretern der chinesischen Mobilfunkanbieter bzw. Netzbetreiber. Denn es wird auf diese Leute ankommen – die Leute die das Produkt im Land anbieten – ob Apple Erfolg haben wird oder nicht.

Wird ein billiges iPhone auch bei uns erhältlich sein?

Das ist natürlich nicht fix. Vielleicht möchte Apple dieses iPhone wirklich nur in Ländern verkaufen, in denen sich die Menschen kein teureres leisten können. Ich persönlich halte diesen Schritt aber für falsch. Gerade ein billigeres iPhone wäre das ideale Einstiegsgerät für Neukunden. Ich spreche hier nicht nur von weniger wohlhabenden Erwachsenen, ich spreche vor allem von Kindern, Jugendlichen oder Pensionisten die mit so einem Produkt ihren Weg zu iOS finden könnten. Einem 12-Jährigen ein 800 € Smart-Phone zu geben ist mutig, eines um 200 € dagegen ist schon beinahe normal. Die bunten Modelle, die mit ziemlicher Sicherheit erscheinen werden, würden gerade Kindern eine große Freude bereiten. Auch für Pensionisten wäre es ev. eine günstige Gelegenheit, mit der aktuellen Technologie Freundschaft zu schließen. Überhaupt könnte man mit diesem Schritt dem Erzrivalen Samsung mächtig den Wind aus den Segeln nehmen. Warum sollten Leute noch ein Samsung-Gerät kaufen, wenn das Preis-Argument nicht mehr zählt? (Achtung Sarkasmus!!!)

Bleibt noch der letzte, aber wahrscheinlich gewichtigste Punkt:

Verrät Apple damit seine Prinzipien (keine halben Sachen machen, nur das Beste für den Kunden, nur Top-Qualität)?

Und darauf ist, so sehr mein Apple-Herz auch schmerzt, die Antwort leider: JA! Apple kann sich nicht auf der einen Seite als Trends setzendes, stylisches, innovatives Unternehmen zeigen und auf der anderen Seite Geräte herstellen, wie sie ein jeder anderer Konzern auch machen könnte. Das ist sicherlich nichts, was Steve Jobs wollte oder zugelassen hätte. Doch hier müssen sich die Share- und Stakeholder von Apple entscheiden: Wollen sie ein Apple wie es vor 5 Jahren war, ohne Angst vor Verlusten; Hauptsache alles ist perfekt – oder wollen sie einen Apple Konzern, der so handelt wie jede andere multinationale Firma und alles unter das Ziel stellt: „Gewinn um jeden Preis!“

Apple selbst sieht sich sicherlicht als innovatives Unternehmen; was sonst würde die riesige Aktien-Rückkaufaktion erklären, welche Apple wieder mehr Unabhängigkeit von Börse und Quartalszahlen beschert. Doch bis zur Unabhängigkeit ist es ein langer Weg – und Apple muss alle zufrieden stellen…..

Abschließend bleibt zu sagen: ja, es ist der richtige Weg, den Apple einschlägt; es ist vor allem ein logischer – aber nein, ich bin nicht einverstanden mit dieser Richtung; nein, ich gebe nicht Tim Cook oder sonst wem bei Apple die Schuld; ich gebe vielmehr einigen Millionen Leuten die Schuld, die Apple regelrecht dazu zwingen, diesen Schritt einzuschlagen. Aber wie immer bei Apple bin ich mir absolut sicher, dass das Team in Cupertino, San Francisco auch diese Aufgabe meistern wird und wir in wenigen Jahren ein absolut unabhängiges Unternehmen sehen werden, welches das tut, was es am besten kann und schon immer konnte:

Menschen erstaunen

 

 

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