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Exklusiv: Apple Vision Pro Test nach 4 Tagen – alles Positive und Negative

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Exklusiv: Apple Vision Pro Test nach 4 Tagen – alles Positive und Negative
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„Mit der Vision Pro kann man die Technologie von morgen schon heute haben“, so Tim Cook. Na gut – dachte ich – wenn mir die Möglichkeit zum Zeitreisen schon zu Lebzeiten angeboten wird, möchte ich lieber wissen, was Big Tech für uns in petto hat. Es geht schließlich auch um unsere Zukunft, um unser morgen. Hier mein Eindruck nach 4 Tagen Benutzung.

Zugegeben: Als die Apple Vision Pro letztes Jahr enthüllt wurde, war ich verwirrt. Eines jedoch war mir unmittelbar klar: Ich werde sie sofort am US-Marktstart kaufen. Nicht weil ich glaubte, es werde ein nützliches Produkt für mich sein. Vielmehr interessiert mich, seit ich denken kann, wie wir in Zukunft leben, arbeiten und kommunizieren.

Die erste Epoche dieser Zukunft ist offensichtlich ein gewichtiger Helm mit externem Akku und eingeschränktem Sichtfeld für 4000 Dollar nach Steuern. Deswegen war ich verwirrt. Aber mal sehen. Im wahrsten Sinne des Wortes.

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Die ersten Minuten mit der Apple Vision Pro

Nachdem ich die Verpackung der Vision Pro am Mittwoch voller Vorfreude aufgerissen und das Teil aufgesetzt hatte, war die Spannung groß. Ich war seit dem Auspacken der ersten Apple Watch vor knapp 10 Jahren nicht mehr so aufgeregt. Beim ersten Durchblicken der Linsen erschien ein Apfel, dann ein Startsound und dann: mein Wohnzimmer. Allerdings nicht das Wohnzimmer, das ich vorher gesehen hatte, sondern ein sehr unscharfes und ziemlich verrauschtes Wohnzimmer. Ich ging also davon aus, dass jetzt wohl gleich ein Justierungsprozess oder sonstiges Einrichten erfolgt, das die Umwelt scharfstellen würde. Das aber blieb aus. Ich fand schnell heraus: Was ich anfangs gesehen hatte, ist bereits Apples „Passthrough“.

Berichte und „Reviews“, die den Eindruck vermitteln, man könnte glatt getäuscht werden und den Eindruck gewinnen, die Vision Pro sei durchsichtig, möchte ich lieber nicht kommentieren. Das Passthrough funktioniert technisch gesehen grandios, Bewegungen und der 3D-Effekt sind tatsächlich „lifelike“ – so als hätte man keine Brille auf. Die Auflösung hingegen hat mit der Umwelt in etwa so viel gemein wie ein Videostream eines iPod touch oder iPhone 4 aus 2010. Das passt zu den technischen Daten: Die Vision Pro hat 6,5 Megapixel starke 3D-Kameras. Nicht mehr und nicht weniger. Das ist scharf genug, um Objekte und die Umgebung normal wahrzunehmen. Gewöhnliche Schrift zu lesen oder das iPhone zu bedienen ist aber kaum bzw. nur unter großer Anstrengung und optimalsten Lichtbedingungen möglich.

Der große WOW-Effekt

Enttäuscht war ich vermutlich deshalb, weil Apple das Teil als räumlichen Computer und nicht als VR-Headset vermarktet. Denn der WOW-Effekt folgte prompt. Nach dem Einrichten leuchtet der Homescreen inmitten meines Wohnzimmers auf. Gestochen scharf und in fantastischen Farben. Festgenagelt an der Position, selbst wenn ich mich einige Meter bewege. Dazu kamen die Tippgesten und Augensteuerung, die man binnen Sekunden erlernt und intuitiv übernimmt. Da kommt man schon ins Grübeln, was jetzt nochmal real ist. Nicht nur einmal versuchte ich, Menüs und Fenster anzufassen. „It’s magic, until it’s not“ war das Fazit im The Verge-Review der Vision Pro. Ich könnte es nicht besser ausdrücken. Die weiteren Stunden mit dem Headset verliefen nämlich genau so: Ich schwankte zwischen Höhen und Tiefen. Zwischen meinem „grieseligen“ Wohnzimmer mit eingeschränktem Sichtfeld und Momenten, in denen man ohne weiteres unterschreiben würde, in einigen Jahren muss jeder eine solche Brille haben.

Ein solcher Moment war etwa das erste Mal, als ich ein Fenster in gefühlt 5 mal 10 Metern in meinem Wohnzimmer aufspannte. Ich saß auf meinem Sofa, verschob Fenster quer durch den Raum und lachte laut auf. Es klingt idiotisch und kindisch, wenn ich das so niederschreibe, doch genau so war es. Man traut seinen Augen nicht. Die Bildqualität im Zusammenspiel mit den Lautsprechern, welche die Körperposition in Bezug zu den geöffneten Fenstern in 3D abspielen und kleinste Bewegungen berücksichtigen, lassen einen sprachlos zurück. Auf die Spitze wird das Ganze getrieben, sobald Passthrough völlig ausgehebelt und durch Apples „Environments“ ersetzt wird. Wenn in der Wüste oder einer Berglandschaft mit Seeblick auf einer 20 Meter Leinwand der Lieblingsfilm läuft, wird aus der technisch virtuellen Realität ziemlich schnell die Realität im Kopf.

Und zwar so, dass ich völlig das Zeitgefühl verlor und erst nach über einer Stunde erschrocken wieder auf die Uhr blickte. Weniger aus Langweile, sondern weil ich das Gewicht nicht mehr aushielt. Spätestens nach einer Stunde war nämlich Schluss. Ich nahm das Headset ab und der Blick im Spiegel bestätigte zwei rote und gereizte Streifen unter meinen Augen. Die vergingen zwar nach einigen Minuten wieder, aber diese Marke der Benutzungszeit von 1 Stunde ist schwer zu überbieten. Für mich ist das Gerät eindeutig zu schwer. Ich schaffte es zwar, in einem Extremtest am Samstag knappe 3 Stunden (eine volle Akkuladung) durchzuhalten und quer durch Wien zu laufen. Allerdings nur mit aktiviertem Passthrough und ohne mit Inhalten zu spielen.

Ein Effekt bleibt übrigens nach dem Ausziehen der Brille. So wollten meine Augen ständig Eckpunkte in der Umgebung fokussieren. Derart trainiert war ich auf das Anstarren und Antippen von Punkten. Das ist irgendwie gruselig.

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Sonstige Beobachtungen

Nach diesem Versuch, euch in der Chronologie einen möglichst transparenten und ehrlichen Eindruck meines ersten Vision-Pro-Tags zu geben, möchte ich noch kurz zu den Details kommen. Ich habe zusammen mit drei ganz unterschiedlichen Testpersonen (technisch wenig bis sehr versiert) die Hardware und Bedienungsfreundlichkeit der Vision Pro auf die Prüfwaage gestellt. Was können Gestensteuerung, Lautsprecher, Mikrofon, Passthrough und Co. wirklich? Hier meine Zusammenfassung:

  • Die Lernkurve der Gestensteuerung per Augen und Hände ist grandios gut – jeder, dem ich das Gerät bisher gegeben habe, konnte binnen weniger Minuten relativ selbstständig und schnell durchs System navigieren. Bei manchen dauert es etwas länger. Ich selbst fand mich innert Sekunden zurecht. It just works! Der Einrichtungsprozess ist jedoch klar für technisch versiertere Benutzer gedacht. Erkärt wird so gut wie nichts. Apple geht davon aus, dass man sich selbst zurechtfindet.
  • Die „Lufttastatur“ ist besser als sie viele Tester beschreiben. Wer die Hände ruhig hält und die Tastatur näher zu sich ranzieht, kann durchaus einige Worte fehlerfrei tippen. Für kurze Nachrichten okay. Artikel damit zu schreiben wäre absurd.
  • Die Reaktionen von „Nicht-Techies“ war durchwachsen. Bislang fanden alle meine Testpersonen, dass es zwar cool, aber gar keine Kauflust kommt nicht auf.
  • Das Augentracking ist zwar verdammt gut, in 98 % der Fälle – es kommt allerdings immer wieder vor, dass doch eine falsche Zeile fokussiert wird. Vor allem beim Browsen im Web.
  • Die „Lense Reflection“ ist real: Wenn hoher Kontrast vorhanden ist (z.B. beim Ansehen eines Films in einer dunklen Umgebung) spiegelt sich der Film in den Linsen. Apples Werbespots sehen toll aus, in der Realität hat das mit Heimkino aber wenig zu tun. Für mich unmöglich, damit ganze Filme zu gucken. Etwas Abhilfe schafft die Wahl einer hellen Umgebung (z.B. die Wüste), aber selbst da bleibt der Effekt nicht ganz aus. Das Problem ist typisch und physikalisch bedingt – analog zu vielen Berichten im Netz. Auch Apple kocht nur mit Wasser bzw. mit der Physik.
  • Die Akkulaufzeit kommt an die 3 Stunden heran – völlig ausreichend, da man das Gerät ohnehin kaum unterwegs, sondern eher stationär verwenden wird.
  • Das eingeschränkte Sichtfeld durch die Linsten und die zusätzliche Einschränkung durch unscharfe Ränder führen dazu, dass man eigentlich nur die Hälfte des echten Sichtfelds der Augen zur Verfügung hat. Das ist erstmal kein Weltuntergang, aber eben ein Fakt. Besonders gefährlich ist das draußen. Als ich in der Wiener Innenstadt unterwegs war fiel mir das besonders auf. Das Teil ist für stationären Einsatz gemacht, ergo ist auch die Akkulaufzeit relativ egal. Ladegerät mitnehmen und gut ist.
  • Die Lautsprecher sind gut, jedoch sehr auf Höhen und vor allem Bass getrimmt. Perfekt also für Medieninhalte. Die Mitten verschwimmen nahezu komplett. Der Sound ist in etwa auf dem Level der normalen AirPods, aber schlechter als die AirPods Pro. Ab einer Lautstärke von 25% hört das Gegenüber mit.
  • Das Mikrofon ist überraschend gut, Sprachmemos sind auf iPhone-Level.
  • Ich hoffe auf einige Updates in visionOS: Nicht nur musste ich schon zwei Neustarts machen, da nichts mehr ging. Aber auch viele Funktionen wie ein fehlender Fenster-Management machen das Benutzen im Produktivitätsumfeld sehr schwer.

Vision Pro Zwischenfazit nach 4 Tagen

Tja, was soll ich sagen. Zum ersten Mal in meinen 14 Jahren Apple Berichterstattung schaffe ich es nicht, nach wenigen Tagen ein Fazit zu ziehen. Ich möchte es auch gar nicht versuchen. Zu sehr muss ich die Höhen und Tiefen des Geräts erst einmal verarbeiten. In den folgenden Tagen und Wochen werde ich verschiedene Apps, Funktionen wie die Mac Spiegelung und vieles mehr ausgiebig testen.

Es bleibt aber in jedem Fall ein WOW-Effekt, der mich das Teil immer wieder aufsetzen lässt. Allerdings nicht zweckgebunden. Gedanken wie „das arbeite ich jetzt mit der Vision Pro ab“ oder „das schaue ich mir schnell auf der Vision Pro an“ kommen irgendwie nicht auf. Vielmehr ist es wohl die Anziehungskraft dieses futuristischen Computers. Oder ist es doch die Flucht aus dem Alltag?

Ich hoffe nicht, denn auch nach 4 Tagen Benutzung gefiel mir jeder Moment in der echten Realität besser als in der virtuellen. Was aber, wenn diese beiden immer weiter verschwimmen. Was, wenn das AR-Headset da ist? Was ist dann noch real?

Ich wage zu behaupten, diese Gerätekategorie ist definitiv gekommen, um zu bleiben. Es ist die Technologie von morgen, schon heute.

 

Ein Bericht von Lukas Gehrer, Wien 10. Februar 2024. (hier auf Twitter folgen)

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